Es gibt nicht nur Tunnel für den Bahnverkehr oder den Servicestollen. Im komplexen Tunnelsystem des Brenner Basistunnels (BBT) ist die Überleitstelle ein zentrales Element für die operative Flexibilität der künftigen Bahnstrecke. Derzeit finden genau hier die Innenausbauarbeiten statt. Wir sprechen darüber mit Michael Knapp, dem Projektleiter des Bauloses H53 Pfons-Brenner.
Michael, was ist die Überleitstelle?
Es handelt sich um eine strategische Infrastruktur, die entwickelt wurde, um der künftigen Bahnstrecke maximale Flexibilität und Sicherheit zu gewährleisten. Sie dient als Verbindung zwischen den beiden Haupttunneln. Ihre Hauptfunktion besteht darin, den Zügen den Gleiswechsel zu ermöglichen und so die Kontinuität des Betriebs bei Wartungsarbeiten oder anderen betrieblichen Notwendigkeiten sicherzustellen.
Wie ist die Überleitstelle aufgebaut?
Die Überleitstelle besteht aus zwei Verbindungstunneln mit insgesamt vier Weichen. Jeder Verbindungstunnel ist 584 m lang, gemessen von einer Weichenzunge zur anderen. Der Krümmungsradius beträgt 1.200 m und das Gefälle entspricht 6,7 ‰, wie in den Haupttunneln. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit für Züge, die den Verbindungszweig der Überleitstelle befahren, beträgt 100 km/h.
In welchem Baulos wurden die Arbeiten durchgeführt?
Die Überleitstelle wurde im Rahmen der Arbeiten des Bauloses H52 Hochstegen ausgebrochen, welche im Dezember 2023 abgeschlossen wurden. Im Baulos H53 Pfons-Brenner wird hingegen unter anderem an der Innenschale der beiden Verbindungstunnel in der Nähe von St. Jodok gearbeitet. Diese befinden sich in der Nähe einer der drei Nothaltestellen des Brenner Basistunnels.
Welche weiteren Arbeiten sind in diesem Bauabschnitt vorgesehen?
Neben dem Einbau der Innenschale in der Überleitstelle werden die Vortriebsarbeiten im Haupttunnel sowohl in nördlicher Richtung mit den TBM Wilma und Olga als auch in südlicher Richtung bergmännisch fortgesetzt. Ende Januar wurde zudem einer der vier Türme für die Lagerung des Ausbruchmaterials im Padastertal abgebaut. Dies ist ein wichtiger Schritt in der Baustellenlogistik und zeigt erneut, dass die Vortriebsarbeiten dem Abschluss näher rücken. Betrachtet man das gesamte BBT-Projekt, so sind inzwischen über 90 % der Vortriebsarbeiten abgeschlossen.
Zurück zur Überleitstelle: Warum ist sie so wichtig?
Das Ziel dieses Bauwerks ist zweierlei: Einerseits soll der Brenner Basistunnel dadurch zu einer technologisch fortschrittlichen Infrastruktur werden, andererseits soll er die Fähigkeit bieten, flexibel auf die Herausforderungen der Betriebsphase zu reagieren. Dank der Überleitstelle erweist sich der BBT somit als Bauwerk, das auf maximale Effizienz im grenzüberschreitenden Verkehr ausgelegt ist.